Am nördlichen Ausgang der U-Bahn-Station Hallerstraße an der Rothenbaumchaussee 100, steht ein ungewöhnliches Bauwerk: die Bücherstube Stolterfoht. Der nur 44 Quadratmeter große Pavillon wurde 1949 vom Architekten Werner Kallmorgen entworfen und gilt als exemplarisches Werk der Hamburger Nachkriegsmoderne.
Mit dem rechteckigen Bau aus Holz und Glas schuf Kallmorgen ein architektonisches Kleinod. Die großzügige Glasfront öffnet den Raum zur Straße und macht den Pavillon zu einem ebenso funktionalen wie ästhetisch überzeugenden Ort. „Nichts fehlt an diesem Gebäude, nichts ist zu viel, ein Gebrauchsgegenstand von vollendeten Proportionen – und, wenngleich recht klein und somit das Sortiment beschränkend, funktionstüchtig bis heute. Die Zier: Bescheidenheit.“, so der Architekturkritiker Manfred Sack.

Die erste Eigentümerin, Greta Stolterfoht, gründete hier ihre Buchhandlung – ein Ort, der schnell zu einem Treffpunkt der Hamburger Literaturszene wurde. Schriftsteller wie Helmut Heißenbüttel, Peter Härtling und Hubert Fichte gehörten zu den regelmäßigen Besuchern. Bis heute erfüllt der Pavillon seinen ursprünglichen Zweck: Bücher verkaufen und Kultur bewahren.
Schenkung an die Hamburger Denkmalstiftung
Nach mehr als 75 Jahren Nutzung wurde eine umfassende Sanierung notwendig, um den Fortbestand des denkmalgeschützten Gebäudes zu sichern. Auf Vermittlung durch die HERMANN REEMTSMA STIFTUNG übertrug der Buchhändler Frank Bartling, der die Bücherstube seit 1997 führt und für sein Engagement mehrfach ausgezeichnet wurde, Anfang 2025 das Eigentum an die HAMBURGER DENKMALSTIFTUNG. Damit wurde die Grundlage für die langfristige Pflege und Erhaltung des Pavillons geschaffen.
Sanierung mit höchster Sorgfalt

Diese Sanierung wäre ohne die HERMANN REEMTSMA STIFTUNG nicht möglich gewesen. Sie bereitete den Prozess vor, finanzierte sämtliche Arbeiten und setzte sie mit Klaus und Schulz Architekten um. Die Instandsetzung des Pavillons stellte hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Für die denkmalgerechte Restaurierung wurde das Gebäude vollständig demontiert, in rund 1.000 Einzelteile zerlegt, sorgfältig aufgearbeitet und anschließend am ursprünglichen Standort wieder zusammengesetzt. Details wie die charakteristische Markise und der umlaufende Zaun konnten auf Grundlage historischer Fotografien rekonstruiert werden. Die enge Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt, dem Bezirksamt Eimsbüttel und weiteren Beteiligten war dabei ebenso entscheidend wie handwerkliche Präzision. Im Zuge der Arbeiten wurde auch das unmittelbare Umfeld des Pavillons behutsam neugestaltet.
Zukunft gesichert

Seit Anfang 2026 erstrahlt die Bücherstube Stolterfoht wieder in alter Pracht – als seltenes Beispiel eines nahezu unverändert erhaltenen Pavillons der Nachkriegsmoderne und als lebendiger Ort der Literatur in Hamburg. Mit der HAMBURGER DENKMALSTIFTUNG als neuer Eigentümerin und einem langfristigen Mietvertrag für den Buchhändler zu verlässlichen Konditionen ist der Fortbestand der Buchhandlung nachhaltig gesichert. Das „literarische Knusperhäuschen“ wird damit auch künftig ein Ort kultureller Begegnung bleiben.
Adresse
Rothenbaumchaussee 100
Rotherbaum
